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4 Juli 2012: Wieder etwas offensivere Haltung gegenüber Europa

16 PENNE

Die Ergebnisse des jüngsten europäischen Gipfels beurteilen wir im Hinblick auf die Lösung, die zur Rettung des spanischen Bankensystems gefunden wurde, positiv……

In Verbindung mit ihrer Wachstumsinitiative hat die europäische Politik Handlungsfähigkeit demonstriert. Es könnte ein wichtiger Schritt zur Überwindung der europäischen Schuldenkrise getan sein.

Die Entscheidungen des jüngsten Brüsseler Gipfels führten zu einer Beruhigung der Märkte und damit zumindest kurzfristig zu einer Rückkehr der Risikobereitschaft. Es besteht allerdings weiterhin die Gefahr, dass es sich dabei nur um eine zwischenzeitliche Entspannung handelt. Eine Rückkehr der Risikoaversion ist jederzeit möglich, weil Italien als nächstes Land in den Fokus der Märkte geraten könnte. Die wirtschaftlichen Indikatoren für die Apenninen-Halbinsel deuten für den weiteren Jahresverlauf auf eine Rezession hin, die tiefer ausfällt als ursprünglich erwartet. Eine definitive Lösung der europäischen Schuldenkrise wird es erst dann geben, wenn sich eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der hoch verschuldeten Länder abzeichnet. Dies ist bisher nicht der Fall. Italienische und spanische Staatsanleihen werden weiterhin als zu risikoreich eingestuft. Wir sind uns jedoch darüber im Klaren, dass es hier zu einem Zwischenrally oder tatsächlich zu einem Wendepunkt kommen kann.

Europäische Aktien gewichten wir vor dem Hintergrund der Gipfelergebnisse wegen ihrer attraktiven Bewertungen etwas höher

Wir erwarten bei Aktien zumindest zwischenzeitlich ein Nachlassen der hohen Risikoaversion, nachdem die politischen Risiken, die von Europa ausgehen, etwas gesunken sind. Es ist jedoch noch nicht abzusehen, ob der gerade beendete Gipfel tatsächlich der letzte in der Reihe europäischer Krisengipfel war oder ob neuerliche Verschärfungen der Marktsituation nachfolgen werden. Europäische Aktien werden nach der zuletzt neutralen Gewichtung ein wenig höher gewichtet. Das bestehende Übergewicht bei US-Aktien wird beibehalten, weil sich die wirtschaftliche Erholung jenseits des Atlantiks trotz Rückschlägen mit gemässigtem Tempo fortsetzt. Die minimalen Übergewichte in Lateinamerika und Asien (ex Japan) werden wegen der leichten wirtschaftlichen Eintrübung auf neutral reduziert; dies kommt japanischen Aktien zugute, die nach schwacher Kursentwicklung im zweiten Quartal 2012 nun wieder so günstig wie zum Tiefstpunkt des Jahres 2009 sind.

Währungen

Der Schweizer Franken ist weiterhin gegenüber allen anderen Währungen substanziell überbewertet. In unserer Allokation hatten wir zuletzt den US-Dollar übergewichtet. Dieses Übergewicht wird nach positiver Entwicklung halbiert.

Wendepunkte
Die erfreulichen Ergebnisse des jüngsten Krisengipfels sind die Unterstützung der spanischen Banken ohne Belastung des Staatsbudgets ihres Heimatlandes sowie die Zusicherung, dass alle Anleger bei einem allfälligen Kapitalschnitt künftig gleich behandelt werden. Die Vergemeinschaftung der europäischen Schulden erfolgt damit sozusagen durch die Hintertür, also ohne die Einführung von Eurobonds, die von der deutschen Kanzlerin Merkel („Keine Eurobonds, solange ich lebe“) vehement abgelehnt wurden und werden. In Deutschland könnte angesichts dieser Entwicklung die Zinswende eintreten – die Renditen am langen Ende haben von extrem niedrigen Niveau aus bereits zu steigen begonnen. Gleichzeitig könnte der wirtschaftliche Tiefpunkt in den Krisenländern erreicht sein oder unmittelbar bevorstehen.

Quelle: ETFWorld – Swisscanto

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