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Die schönste Zeit des Jahres (für japanische Aktien)

Am 31. März endet in Japan traditionell das Geschäftsjahr für Unternehmen. Das macht diesen Tag zu einer wichtigen Wegmarke, an der sich nicht nur die Lage japanischer Aktien, sondern letztlich auch ablesen lässt, ob die nach Ministerpräsident Abe benannte Wirtschaftspolitik Abenomics in der Realwirtschaft angekommen ist……



Augenmerk der Unternehmen gilt vor allem der Anhebung ihrer Eigenkapitalrendite (ROE)

In der 15 Jahre dauernden Deflation von 1998 bis 2013 hat sich Japan den zweifelhaften Ruf eines Marktes mit extrem niedriger Eigenkapitalrentabilität verglichen mit anderen großen Wirtschaftsregionen wie den USA oder Europa erworben. Ihre Barmittel horteten Nippons Unternehmen über Jahre in ihren Bilanzen. Die Lancierung des JPX-Nikkei 400 Index Anfang 2014 sorgte jedoch für den Funken, der einen Sinneswandel in Gang setzte, denn fortan war die Kennzahl ROE (gemessen als Durchschnitt über die vergangenen drei Jahre) das zentrale Kriterium für die Aufnahme in den Index.

Praktisch über Nacht lieferte das Anhäufen von Barmitteln, bis dahin weithin gängige und akzeptierte Geschäftspraxis, einen Grund, die Unternehmensführung zu kritisieren, erreichte der ROE nicht die für eine Aufnahme in den JPX-Nikkei 400 Index erforderliche Höhe. Ein solches Stigma möchte in Japan kein Firmenlenker für sein Unternehmen.
 
FANUC – Paradebeispiel einer aktionärsfreundlichen Politik

Als eines der ersten Unternehmen in Japan, die ihren Jahresabschluss für das am 31. März 2015 endende Geschäftsjahr vorlegen, kündigte FANUC an, man werde künftige neue Wege in der Dividendenpolitik beschreiten. In seiner aktuellen Bilanz weist das Unternehmen einen Barmittelbestand von 991,2 Mrd. Yen (8,25 Mrd. US-Dollar) aus, der damit den Vorjahreswert um 20% übersteigt. FANUC hält 50% der Anteile am Weltmarkt für numerische Steuerungsgeräte. Seine operative Gewinnmarge beläuft sich auf 40%[1].

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• Verdopplung der Ausschüttungsquote von 30% auf 60%: Mit der Anhebung seiner Ausschüttungsquote um 100% von bislang 30% auf nunmehr 60% stockt FANUC seine Dividende von 170,06 Yen auf 636,62 Yen pro Aktie auf — ein echter Quantensprung. Offenbar ist das Unternehmen überzeugt, dass es auch künftig und dauerhaft mehr als die Hälfte seines Gewinns an seine Aktionäre ausschütten kann. Das lässt aufhorchen, denn mit Stand vom 1. Mai 2015 lag die Ausschüttungsquote für sämtliche Unternehmen im  Tokyo Stock Price Index (TOPIX) bei lediglich 27%. FANUC setzt mit seiner Ankündigung also ein echtes Ausrufezeichen.
 
• Kombiniert mit einem flexiblen Aktienrückkaufplan: Aber mit der neuen Dividendenpolitik nicht genug, kündigte FANUC überdies ein flexibles Aktienrückkaufprogramm an. Dessen Ausgestaltung sieht vor, dass FANUC mit steigender Profitabilität eine immer größere Anzahl Aktien zurückkaufen kann.
 
Dauerhafte Verpflichtung gegenüber den Aktionären ein Novum in Japan

Diese Art des Sinneswandels, der sich derzeit in den japanischen Unternehmen vollzieht, finden wir überaus spannend. Welchen Vorzeigecharakter FANUCs Strategiewechsel hat, unterstreicht die Tatsache, dass sich das Unternehmen auch eine kontinuierliche Rendite für seine Aktionäre auf die Fahnen geschrieben hat und es nicht bei einer einmaligen Dividendenerhöhung oder einem Aktienrückkauf belässt.

Ganz konkret soll die durchschnittliche Gesamtrenditequote aus Dividenden und Aktienrückkäufen 80% des konsolidierten Jahresüberschusses über fünf Jahre betrachtet nicht übersteigen. Bei höherer Profitabilität können die Aktionäre von FANUC basierend auf dieser Ausschüttungspolitik höhere Dividenden und Aktienrückkäufe erwarten. Ist FANUC weniger profitabel, müssen sie auf Einschnitte gefasst sein.

Überaus aufschlussreich finden wir, dass FANUC offenbar die 20% des Jahresüberschusses, die man einbehält, immer noch für mehr als ausreichend hält, um künftig umfangreiche Investitionen tätigen zu können[2].
 
Unternehmensreform beinhaltet mehr als nur Dividenden und Aktienrückkäufe

Aber auch wenn der Fokus auf der Aktionärsrendite mit höheren Dividenden und Aktienrückkäufen ein wichtiger Katalysator ist und viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist sie letztlich nur ein Teil des Ganzen. Immer mehr Firmen sind inzwischen bestrebt, den Anteil externer Mitglieder im Aufsichtsrat zu erhöhen, um so gemäß der von der Regierung angestoßenen Initiative ihre Unternehmensführung zu verbessern. Auch FANUC hat diese Richtung eingeschlagen und zwei unabhängige Mitglieder in sein Aufsichtsgremium berufen[3]. Wir sehen das als weiteres positives Signal, dass Japans Unternehmen aus Sicht der Aktionäre auf dem richtigen Weg sind.


[1]Quelle: Keita Sekiguchi, „In About-Face, FANUC Turns Friendly to Shareholders“, Nikkei Asian Review, 30.4.2015

[2]Quelle: Keita Sekiguchi, „In About-Face, FANUC Turns Friendly to Shareholders“, Nikkei Asian Review, 30.4.2015

[3]Quelle: Japan Exchange Group JPX-Nikkei 400 Methodology

Source: ETFWorld.de

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