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ETF Securities: Aktien-Research: Zieh das CAPE über und überhol sie

Bei der Prognose der langfristigen Aktienmarktrenditen ist das CAPE – oder Shiller-KGV – im Vergleich zum nachlaufenden 12-Monats-KGV die effektivere Bewertungsmetrik….

 
 

– Anleger, die den großen Bewertungsabstand zwischen den globalen Aktienindizes nutzen, können die globalen Indizes übertreffen, indem sie ihr Engagement in günstigen Ländern anheben und in teuren Ländern absenken.

– Ein einfaches aktives CAPE-Modell schlug die globalen Indizes über die letzten 11 Jahre im Schnitt um 1,8 % jährlich.


Die Jagd nach Wert unter dem CAPE

Bekanntermaßen machen Anleger häufig den Fehler, zu spät in die Aktienmärkte einzusteigen oder sie zu früh zu verlassen, da Angst und Gier leicht die Oberhand über das rationale Denken gewinnen. Tatsächlich führen die meisten Konjunkturprognosen und Analystenberichte die Anleger zu Jahresbeginn in die Irre, da sie nicht imstande sind, die unbekannten Faktoren, die im Laufe der Zeit Gestalt annehmen, richtig vorauszusagen. Im aktuellen Umfeld hoher Volatilität und mittelmäßigen Gewinnwachstums sind die Anleger unseres Erachtens gut beraten, wenn sie ihre Aufmerksamkeit den Bewertungen zuwenden, die sich als überlegene Indikatoren langfristiger globaler Aktienmarktrenditen bewährt haben. 

Das zyklisch angepasste Kurs-Gewinn-Verhältnis, auch ShillerKGV oder CAPE genannt, misst das Verhältnis des aktuellen Marktpreises zum zehnjährigen Durchschnitt der inflationsbereinigten Gewinne. Die von dem Ökonomen Robert Shiller entwickelte Kennzahl gilt als die zuverlässigste Bewertungsgröße, da sie vorübergehende, irreführende Schwankungen der Gewinne glättet und so die Unzulänglichkeiten des klassischen Kurs-GewinnVerhältnisses, des KGV, behebt. So lässt sich mit dem ShillerKGV abschätzen, ob ein Aktienmarkt im Vergleich zum Gewinnniveau hoch oder niedrig bewertet ist. Unseres Erachtens ist es das beste Instrument zur Messung der künftigen Aktienmarktrenditen, da es nicht nur die einfachen KGVs übertrifft, sondern auch andere bekannte Kennzahlen, zum Beispiel das Verhältnis des öffentlichen Schuldenstands zum BIP, die Dividendenrendite und das Fed-Modell (Gewinnverzinsung/Anleiheverzinsung). Andererseits lohnt es sich zu wissen, dass sich das Shiller-KGV weniger zum Timing von Marktblasen und kurzfristigen Gewinnmitnahmen eignet als zur Prognose der langfristigen künftigen Renditen der globalen Aktienmärkte. Trotzdem kann es Anleger vor unüberlegten Entscheidungen in Krisenzeiten bewahren.

Streuung der Shiller-KGVs deutet eine Gelegenheit an

In den letzten acht Jahren sorgten die exzessive Lockerung der Geldpolitik, die politische Unsicherheit, der Rückgang der Unternehmensgewinne, der Anstieg der Aktienrückkäufe und uneinheitliche Dividendenausschüttungen für erhebliche weltweite Bewertungsdifferenzen, die einige Länder gegenüber anderen begünstigten. Eine Untersuchung von 52 Aktienmärkten auf der ganzen Welt ergab, dass USNebenwerte mit einem Shiller-KGV von 43 der weltweit teuerste Markt sind. Auch US-Standardwerte befinden sich mit einem Shiller-KGV von 21 unter den 10 teuersten Ländern. Der S&P 500 Index wird mit einem 30%igen Aufschlag auf seinen langfristigen Durchschnitt von 16 gehandelt, was zuletzt nur vor dem Schwarzen Montag 1929, dem Platzen der DotcomBlase 1999 und der Finanzkrise 2008 übertroffen wurde. Irische Aktien nehmen den zweiten Platz in der Liste der teuersten Länder ein und haben daher einen weniger günstigen Ausblick.  

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Griechenland ist mit einem Shiller-KGV von gerade einmal 1,7 weiterhin der günstigste Markt der Welt. Unter den

Schwellenmärkten erscheinen auch Russland, Brasilien und die Türkei attraktiv bewertet, wie ihre Shiller-KGVs schon einige Zeit andeuten. Während des Einbruchs der Ölpreise Anfang 2016 und der Sanktionen gingen die Anleger Russland aus dem Weg, aber seine Aktienmärkte sind weltweit am zweitgünstigsten und damit weiterhin attraktiv bewertet. In Europa dürften Spanien, Portugal und Polen in der Lage sein, über die nächsten zehn Jahre höhere inflationsbereinigte Jahresrenditen zu erzielen. Spanien hat zwar mit einer hohen Arbeitslosigkeit und strukturellen Problemen zu kämpfen, aber seine Wirtschaft wächst wie schon in den letzten drei Jahren schneller als die Europäische Union insgesamt. Ganz davon abgesehen, beheimatet sein Aktienmarkt so erfolgreiche multinationale Unternehmen wie BBVA, Santander, Inditex und Telefonica.  

Das CAPE-Modell funktioniert

Wir sind der Überzeugung, dass die bestehenden erheblichen Differenzen in den Shiller-KGVs der 52 globalen Aktienmärkte eine Chance bieten, die sich nutzen lässt. Hierzu geht man ein positives Engagement in den 10 laut Shiller-KGV günstigsten Aktienmärkten der Welt und ein negatives Engagement in den 10 laut Shiller-KGV teuersten Aktienmärkten ein. Die Strategie wird vierteljährlich neu ausbalanciert, um die Verschiebungen durch die vierteljährliche Berichtssaison zu berücksichtigen. Die Long- und Short-Positionen des Portfolios werden in jedem Quartal auf der Basis der sich ändernden Shiller-KGVs gegenüber dem langfristigen Durchschnitt neu gewichtet. Beim Backtesting dieser Strategie seit 2005 konnte das Modell seine Vergleichsindizes übertreffen, das heißt, den MSCI All Countries World Index und den FTSE All World Index, wobei der Vorsprung mit 31 % beziehungsweise 25 % nicht unerheblich war.

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Das CAPE-Modell rentierte annualisiert 5 %, und das bei einer im Vergleich zu den globalen Indizes geringeren Volatilität von 16,3 %. Das Modell erzielte ferner eine Sharpe-Ratio von 0,21 und eine Informationsratio von 0,11, wobei das Beta über die letzten elf Jahre mit 0,48 bemerkenswert niedrig ausfiel. Außerdem wird nur einmal pro Quartal und damit relativ selten gehandelt, sodass der durchschnittliche annualisierte Brutto-Portfolioumschlag lediglich 40 % beträgt.

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Risiko diversifizieren und moderate

Renditen erzielen Die große Bewertungsdifferenz zwischen den globalen Aktienmärkten gibt den Anlegern die Gelegenheit, günstigen Aktienmärkten den Vorzug vor teuren Aktienmärkten zu geben. Das CAPE-Modell macht es taktisch möglich, das Engagement in den günstigeren Märkten anzuheben und in den eher teuren Märkten zu verringern und so das Anlagerisiko langfristig zu streuen. Anleger sind damit in der Lage, sich im aktuellen Umfeld erhöhter Volatilität zu behaupten und zugleich auf lange Sicht moderate annualisierte Renditen zu erzielen. Auch wenn das Shiller-KGV als Indikator keineswegs perfekt ist, ist es der Mehrheit der Bewertungsmetriken bei der Prognose der langfristigen Aktienrenditen überlegen. Zwar besteht die Gefahr, dass sich Billiges weiter verbilligt und Teures überdurchschnittlich entwickelt, doch kehren Kurse nach unserer Überzeugung früher oder später zum Durchschnitt zurück, der die fundamentale Situation widerspiegelt. 

 

Source: ETFWorld.de

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