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ETF Securities Research – Devisen Flexible Regelauslegung der EZB belastet den Euro

Überblick:  Die Märkte haben die Bewertung des Euro abwärts korrigiert, da die Chancen für eine Präsidentschaft von Le Pen und ihrem populistischen Front National in den zurückliegenden Wochen zugenommen haben…..

-Der von politischer Unsicherheit geplagte Euro konnte weder von der Aufhellung des zugrunde liegenden wirtschaftlichen Umfelds noch von der Verbesserung der Positionierung auf dem Terminmarkt profitieren.

-Das quantitative Lockerungsprogramm der EZB scheint zwar am Limit zu sein, doch ist die Notenbank offenbar bereit, von ihrem Kapitalschlüssel abzuweichen und die Anleihen höher verschuldeter Länder zu kaufen. Dies dürfte den Euro im Laufe von 2017 weiter unter Druck setzen. Politik führt zu Neubewertung des Euro

Politik führt zu Neubewertung des Euro

Da die Eurozone an der politischen Unsicherheit zu zerbrechen droht, ist die Konsensprognose der Analysten für das EUR/USD-Währungspaar 2017 gefallen. Lag sie Ende 2016 für das erste Quartal 2017 noch bei rund 1,07, so beträgt sie derzeit gerade einmal 1,04. Unseren Erwartungen zufolge wird der Euro am Ende des ersten Quartals ungefähr bei 1,08 stehen, da die politische Unsicherheit wieder nachlässt.

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Der von der politischen Unsicherheit beschädigte Euro konnte von der Verbesserung des zugrunde liegenden wirtschaftlichen Umfelds bisher nicht profitieren. Blickt man auf den Bloomberg Eurozone Economic Surprise Index, so wird deutlich, dass der Euro ohne die quantitative Lockerung der EZB und die aktuelle Unsicherheit des politischen Umfelds gegenüber dem US-Dollar wesentlich höher stehen könnte.

Auch wenn der Populismus und die immer engstirnigere Haltung der Wähler in den USA und Europa eindeutig Ähnlichkeiten besitzen, könnten ihre Auswirkungen auf die jeweilige Währung nicht unterschiedlicher sein. Nachdem Le Pen die Einführung des Francs versprochen hat, könnten ihre Chancen auf einen Sieg bei den französischen Präsidentschaftswahlen durchaus dazu führen, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar in Richtung Parität fällt. Dies steht in starkem Kontrast zur Dollarstärke, die auf den Wahlsieg von Trump folgte. Die EUR/USD-Parität als Folge eines Wahlsiegs von Le Pen ist jedoch nicht unser Basisszenario.

Wirtschaft bedingt andere Geldpolitik

Daneben bestehen zwischen den USA und Europa Unterschiede wirtschaftlicher Art: In der Eurozone ist die Arbeitslosigkeit nach wie vor erhöht, und aufgrund der Überkapazitäten bleibt das Lohnwachstum wohl noch einige Zeit gedämpft. Das Überangebot an Arbeitskräften lässt es unwahrscheinlich werden, dass die Kerninflation 2017 wie in den USA Auftrieb erhält.

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Global nehmen die Inflationserwartungen allerdings zu. Mit dem Schwinden des Ölpreiseffekts ist der Preisauftrieb in der Eurozone weit über die Konsenserwartungen und sogar über unsere optimistische Prognose hinaus gestiegen. Die Inflation der Eurozone hat mittlerweile den höchsten Stand seit März 2013 erreicht und befindet sich nun „unter, aber nahe“ 2,0 Prozent, der EZB-Zielmarke. Hierbei ist von Bedeutung, dass die Inflation in den kommenden Monaten wahrscheinlich nicht über das Ziel der Notenbank hinausschießen und die EZB „über den jüngsten Anstieg der Inflation hinwegsehen“ wird.

EZB nähert sich dem Limit

Während die US-Notenbank längst eine restriktive Haltung eingenommen hat, befindet sich die Geldpolitik der EZB weiterhin im Expansionsmodus.

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So umfangreich war die Bilanz der EZB noch nie. Da sich jedoch die quantitativen Lockerungsbemühungen dem Limit nähern, lässt auch der Anstieg der Bilanzsumme nach. Andererseits gibt es Anzeichen, dass die EZB den aktuellen Rahmen des Wertpapierkaufprogramms verlassen könnte, um ihre Bilanz und die Geldmenge der Eurozone noch einmal auszuweiten.

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Der Euro sollte zwar davon profitieren, falls die EZB ihre Anleihekäufe bis zum Jahresende ohne größere Verwerfungen auf den Zinsmärkten einstellen kann, doch lastet auf ihm die Möglichkeit des erneuten geldpolitischen Druckaufbaus.

Aus der jüngsten Zusammenfassung der geldpolitischen Sitzung des EZB-Rates geht hervor, dass die Notenbank „begrenzte und temporäre Abweichungen“ vom Kapitalschlüssel in Betracht zieht. Es steht also die Möglichkeit im Raum, dass das am BIP orientierte breite Anleihekaufprogramm in ein schuldengewichtetes Programm überführt wird. Dieser Schritt würde höher verschuldete Länder wie Italien bevorteilen und den Euro im zweiten Halbjahr 2017 unter Druck setzen.

Was preisen die Märkte ein?

Auf den Terminmärkten hat sich die Positionierung von den extrem tiefen Niveaus erholt, auch wenn die Anleger im Euro unter dem Strich weiterhin short positioniert sind. Allerdings ist der Euro schwächer bewertet, als seine historische Beziehung zum Terminmarkt andeutet. In den Optionspreisen hingegen drückt sich die Erwartung aus, dass der Euro unter den G10Währungen am zweitschlechtesten gegenüber dem USDollar abschneiden wird. So pessimistisch sah der Optionsmarkt den Euro zuletzt im Juni 2016.

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Wir erwarten, dass sich der Euro in den kommenden Monaten bei rund 1,08 festigt, da sichtbar wird, dass der Front National von Le Pen die französischen Präsidentschaftswahlen wohl nicht gewinnen kann. Trotzdem wird die Volatilität anhalten. Außerdem könnten die zusätzlichen Wertpapierkäufe und die flexible Regelauslegung der EZB den Euro im zweiten Halbjahr 2017 wieder auf das aktuelle Niveau drücken.

 

Source: ETFWorld.de

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