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Inflation rückt stärker in den Fokus der Privatanleger

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Börse Stuttgart beobachtet steigendes Interesse an Produkten zum Inflationsschutz

Mit welchen Anlageklassen und Finanzprodukten lassen sich die Folgen einer Inflation abfedern? Diese Frage beschäftigt Privatanleger zunehmend bei ihren Investmententscheidungen. So gehörte Inflation auf der Anlegermesse „Invest 2012“ zu den Top-Themen in zahlreichen Foren und Podiumsdiskussionen. Auch verzeichnet die Kunden-Hotline der Börse Stuttgart ein steigendes Interesse an diesem Thema. Doch nicht nur Privatanleger, auch Experten diskutieren intensiv über Inflation.

Eine Billion Euro: Das ist die Summe, die die Europäische Zentralbank den europäischen Geschäftsbanken anhand zweier Drei-Jahrestender bislang zur Verfügung stellte. Immerhin entspricht die Zahl mit den 12 Nullen in etwa der gesamten Jahres-Wirtschaftsleistung Spaniens. Auch wenn sich die EZB in der Vergangenheit lautstarke Kritik gefallen lassen musste, hat dieses Vorgehen einen durchaus rationalen Hintergrund: Die latente Gefahr einer Deflation soll um jeden Preis vermieden werden. Und warum? „Ich kenne keine starke Depression in irgendeinem Land oder zu irgendeiner Zeit, die nicht von einer starken Abnahme der Geldmenge begleitet gewesen wäre, und ebenso kenne ich keine scharfe Abnahme der Geldmenge, die nicht von einer harten Depression begleitet gewesen wäre“, konstatiert Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman in seinem bereits 1962 erschienen Buch „Kapitalismus und Freiheit“.

Im Gegensatz zu einer Rezession ist das Problem einer Depression, dass diese sich viel härter und vor allem langfristig auf eine Volkswirtschaft niederschlägt. Deshalb wollen sowohl Fed-Chef Ben Bernanke mit seinem Programm der „quantitativen Lockerung“ als auch EZB-Chef Mario Draghi mit seiner Niedrigzinspolitik eine Deflation um jeden Preis vermeiden. Der Preis für einen derartigen Erfolg bliebe an den Bürgern haften. Denn sollte die gestiegene Liquidität tatsächlich den Weg in die Realwirtschaft finden, wären aufgrund der real gestiegenen Geldmenge inflationäre Tendenzen nahezu unvermeidlich. Das Prekäre an der Inflation: Diese frisst das Geld schleichend auf. 100 Euro bleiben 100 Euro, allein die Kaufkraft ist nicht mehr dieselbe.
Aktuell liegt die Inflationsrate in Deutschland im Bereich von 2,1 Prozent. Zwar ist dies über der von der EU vereinbarten Obergrenze von 2 Prozent, doch aus den beschriebenen Gründen scheint man diesen leicht erhöhten Wert in Kauf zu nehmen. Grund zur Besorgnis besteht aus makroökonomischer Sicht auch noch nicht. Doch für die Anleger ist diese Kombination aus Niedrigzinspolitik und einer – relativ gesehen – erhöhten Inflationsrate nicht unproblematisch. Während eher konservative Investments wie deutsche Bundesanleihen kaum mehr Zinsen abwerfen, sollten Anleger jedoch mindestens Renditen von 2,1 Prozent erwirtschaften, um den Wert ihres Vermögens zu erhalten. Welche Möglichkeiten haben Privatanleger also, wenn sie sich vor einer höheren Inflation schützen wollen?

Aktien: Laut Lehrbuch sind Aktien auf lange Sicht grundsätzlich ein guter Inflationsschutz, denn die Unternehmensanteile stellen Sachwerte dar. Besonders interessant sind Unternehmen mit Produkten, für die es kein oder zumindest kein gleichwertiges Substitut gibt, oder Firmen mit einer gewissen Preissetzungsmacht, etwa in der Nahrungsmittel-, Pharma- oder Rohstoffbranche. Sie können bei erhöhter Inflation Kostensteigerungen an ihre Kunden weitergeben und die Gewinne stabil halten. Gleichzeitig sinken ihre langfristigen Refinanzierungskosten, da die bereits gemachten Schulden bei der Bank nominal gleich bleiben. Beide Effekte können letztlich für steigende Aktienkurse sorgen. Allerdings gibt es Einschränkungen: In der Praxis können Unternehmen Preissteigerungen nur sehr partiell und in mehreren, meist kleinen Schritten durchsetzen. Es gibt also keine zwingende Korrelation zwischen der Inflationsrate und dem Aktienkurs eines Unternehmens.

Edelmetalle: Wer in den vergangenen Jahren auf Edelmetalle wie Gold und Silber setzte, hat zumindest bis zum vergangenen Sommer eine Rendite oberhalb der Inflation erzielt. Während der Preis für Gold von knapp 900 US-Dollar pro Feinunze binnen drei Jahren auf fast 2.000 US-Dollar stieg, hat sich der Preis für Silber zwischenzeitlich mehr als verdreifacht. Gold und Silber als Inflationsschutz sind bei Anlegern vor allem aus psychologisch-empirischen Gründen beliebt: In der Geschichte fungierte Gold beim Zusammenbruch einer Währung oder ausufernden Teuerungsraten immer wieder als eine Art Ersatzwährung. Käufer und Verkäufer attestierten in solchen Fällen dem Edelmetall dieselbe Eigenschaft: Wertbeständigkeit. Ein Attribut, welches auf die Devisenwährung in solchen Situationen nicht mehr zutraf. Edelmetalle vermitteln also ein Gefühl der Sicherheit, werfen allerdings keine Zinsen ab. Deshalb sind Gold und Silber nur bedingt geeignet, um kurzfristige Inflationsschübe zu kompensieren.

Inflationszertifikate: Wer sich nicht nur einen indirekten Schutz vor Inflation ins Depot holen will, wird bei strukturierten Produkten fündig. Denn bei sogenannten Inflationszertifikaten ist die Höhe der Zinszahlung direkt an die Inflationsrate gekoppelt. Bezugsgröße sind dabei Indizes, die Veränderungen von Preisen für Waren und Dienstleistungen abbilden – etwa der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI). Anleger sollten bei der Produktauswahl die unterschiedlichen Ausgestaltungen der Zertifikate beachten. Die meisten Papiere verfügen über eine Kapitalgarantie zum Ende der Laufzeit, einige sind mit Unter- und Obergrenzen für den an die Inflation gekopppelten Kupon ausgestattet. Auch die Laufzeit des Zertifikats und das Ausfallrisiko des jeweiligen Emittenten sollten berücksichtigt werden.

Anleihen mit Inflationsschutz: Bei Anleihen mit Inflationsschutz zahlt der Emittent einen festen Kupon und vergütet zusätzlich die Inflationsrate laut Verbraucherpreisindex. Damit erhält der Anleger eine reale Rendite in Höhe des Kupons. Real bedeutet nach Abzug der Inflation, da diese neutralisiert wird.

QuellePressemitteilungen Börse Stuttgart

 

 

 

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