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SPDR Strategie Espresso: Warum Investoren Europa während der US-Wahl nicht vergessen sollten

SPDR : Angesichts der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen und des scheinbar nicht enden wollenden Aufwärtstrends der FAANG-Aktien hat sich die Aufmerksamkeit der Investoren in den letzten Monaten intensiv auf die USA konzentriert.

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SPDR Strategie Espresso: 24. September 2020


Von Kuhn Stefan SPDR ETFs


Aber es gibt auch Chancen in Europa, wie z.B. durch Sektor- oder ESG-ETFs.

Die europäischen Aktienmärkte sind in diesem Jahr in Bezug auf die Gesamtrenditeleistung weit hinter dem US-Markt zurückgeblieben. Der S&P-500-Index ist im Vergleich zum Jahresbeginn um 6,2% gestiegen, während der MSCI Europe noch immer 6,2% (in Euro) oder 4,5% (in entsprechenden US-Dollar) hinter seinem Ausgangsniveau zurückliegt. Auch an der Kommentarfront der Aktienmärkte ist er in den Schatten gestellt worden.

Es gibt zwei Erklärungen für diese Diskrepanzen: Die Dominanz der FAANG-Aktien im S&P 500 und die bevorstehenden US-Präsidentschaftswahlen. Insgesamt könnte aus Sicht des US-Aktienmarktes das wahrscheinlichste Szenario eines Biden-Sieges, vor allem aufgrund möglicher Unternehmenssteuererhöhungen und regulatorischer Änderungen, weniger positiv für die Kurse ausfallen. Aus europäischer Sicht dagegen könnte ein solches Ergebnis die Wirtschaftsaussichten mit einem besseren Handelsbild verbessern.

Interessanterweise haben wir eine große Streuung der Performance zwischen denselben Sektoren in Europa und den USA beobachtet (siehe Grafik unten). Als Anbieter von UCITS ETFs, die die Sektoren in beiden Regionen nachbilden, sind diese Ausprägungen für uns von besonders hohem Interesse und wir versuchen, die jeweils besten Optionen zu identifizieren. Im Allgemeinen waren die Renditen – wie angesichts der relativen Bewegungen ihrer Aktienmärkte zu erwarten war – in den US-Sektoren im Vergleich zu ihren europäischen Pendants höher.

 

24-09-20 spdr

Quelle: Bloomberg Finance L.P., Stand: 16. September 2020. Die Performance in der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.

Diese Leistungsstreuung zwischen den beiden Regionen veranschaulicht die Effekte der Sektorzusammensetzung und die durch die FAANGs verursachte Verzerrung. Beispielsweise ist der US-Verbraucherbereich „Consumer Discretionary“ stark Amazon ausgesetzt, der 68% YTD gewonnen hat, während der europäische Sektor hingegen stark von Luxusgütern und Automobilherstellern abhängig ist.*

Ein weiteres Beispiel für das FAANG-Phänomen sind Kommunikationsdienste: Der US-Sektor wird hier von Alphabet und Facebook dominiert, bei seinem europäischen Gegenstück hingegen steht die Beteiligung von Telekommunikationsanbietern mehr im Vordergrund.* Für den Rest dieses Jahres könnte das Fehlen von FAANGS einen relativen Vorteil darstellen.

Im Versorgersektor, einem der SPDR-Sektoren für das dritte Quartal, kehrt sich die relative Leistung dagegen um: Aufgrund rascherer Fortschritte bei der Energiewende ist der europäische Sektor hier führend.

Europa wieder im Blick

Europa hat aus mehreren Gründen mehr Vertrauen bei Investoren geweckt. Einer davon ist das von der EU im Juli angekündigte Konjunkturprogramm in Höhe von 750 Millionen Euro – ein Signal für die Bereitschaft des Blocks, „alles zu tun, was nötig ist“, um die wirtschaftliche Erholung voranzutreiben. Die Vorschläge beinhalten Elemente des Grünen Deals der EU, wie ein beschleunigter Ausbau des Ladenetzwerks für Elektrofahrzeuge, die Förderung von Wasserstoffenergie, Investitionen in Gebäudeisolierung und -sanierung, um höhere Umweltstandards zu erreichen, sowie eine europäische Daten-Cloud. Dieses geschlossene Vorgehen steht im Gegensatz zu den USA, wo es immer wahrscheinlicher wird, dass ein weiteres Konjunkturpaket diesseits der Wahl nicht umgesetzt wird.

Obwohl wir uns nicht in den Bereich der relativen Handhabung von COVID-19 begeben wollen, seien an dieser Stelle trotzdem die lauten Stimmen gegen weitere Lockdowns als Mittel zur Eindämmung des Virus angemerkt – diese gesellschaftliche und politische Haltung sollte jeden weiteren signifikanten Rückgang der Wachstumsraten begrenzen.

Angesichts unseres relativen Optimismus hinsichtlich der Aussichten für Europa zeigen wir nun drei Möglichkeiten auf, wie Anleger Zugang zu europäischen Aktienengagements erhalten können.

Die Sektoren im Fokus

Die sektoralen ETF-Ströme waren über weite Strecken des Jahres positiv. Das zeigt, dass die Anleger dieses Instrument nutzen, um die Unwägbarkeiten des Aktienmarktes zu interpretieren und taktische Gelegenheiten zu nutzen, da sich einige Teile der Wirtschaft schneller erholen als andere. Während anfangs die Technologie- und Gesundheitsfonds die Ströme dominierten, haben wir im letzten Quartal eine breitere Streuung und einen stärkeren zyklischen Einfluss erlebt.

Die hohe Streuung der Performance zwischen den Sektoren hat die Popularität dieses Investitionsansatzes zusätzlich gefördert. Betrachten wir im äußersten Extrem die Differenz zwischen den Nettogesamtrenditen des besten europäischen Sektors, Technologie, der seit Jahresbeginn um 7,7% gestiegen ist, und denen des Energiesektors, der um 42,7% gefallen ist; dies ist eine Differenz von mehr als 50% (Stand: 16. September 2020). Dieses Streuungsniveau ist bei anderen Beta-Instrumenten, wie Regionen oder Faktoren, selten verfügbar.

Unsere SPDR Sektor-Picks für Europa im 3. Quartal (siehe unser Sector Compass) waren RohstoffeGesundheitswesen und Versorger. Rohstoffe waren ein Spitzenreiter in Bezug auf Ströme und Leistung. Alle Branchengruppen (einschließlich Bergbau, Baustoffe sowie Papier und Container) haben bis heute einen positiven Beitrag zu den Quartalsergebnissen geleistet, wobei die Chemie den größten Beitrag leistete (ein Spiegelbild von Gewichtung und Ertrag). Dies ist angesichts der anhaltenden Erholung der PMI-Zahlen für das verarbeitende Gewerbe, der gesünderen industriellen Endmärkte und der Preise für unedle Metalle (einschließlich Aluminium, Kupfer, Zink und Eisenerz), die alle neue Jahreshöchststände erreichten, voll und ganz gerechtfertigt.

Der Rohstoffsektor könnte sich als zyklischer Nachfragesektor weiterentwickeln, aber andere Sektoren, wie die defensiveren, könnten von hier aus größere Chancen bieten.

Die Versorger weisen unter allen Sektoren die geringste Volatilität und Korrelation zu den Aktienmärkten auf. Der hohe Anteil an Inlandsverkäufen und regulierten Aktivitäten könnte eine gewisse Unterstützung bieten, ebenso wie die relativ zuverlässige Rendite von 4,5%. Jegliche „Return to Value“-Strategien würden diesen Sektor ebenfalls begünstigen.

Der Sektor ist säkularen Wachstumsgeschichten wie erneuerbaren Energien, Dekarbonisierung, Kohlenstoffspeicherung und -reduzierung ausgesetzt. Die Stromversorger befinden sich in einer guten Position, um den Energiewandel in Europa und steigende Strommengen durch zunehmende Elektrifizierung voranzutreiben.

In den eher zyklisch getriebenen Märkten hinkte die Leistung des Gesundheitswesens bis Juli und August dieses Jahres hinterher. Nichtsdestotrotz finden unsere Beweggründe, dies zu einem Fokussektor zu machen, weiterhin Anklang – vor allem in der starken Ertragsresistenz, die sich aus nicht-diskretionären Ausgaben und einer breiten Kundenbasis ergibt.

Verschiebungen bei der Bereitstellung während der COVID-19-Krise dürften bereits positive langfristige Trends fördern, wie z.B. eine erhöhte Nachfrage nach fortschrittlicher Medizin, bessere Verfahren der Gesundheitsversorgung und Fernzugriff. Kurzfristig hat die Nachfrage nach lebenswichtigen COVID-19-Behandlungen zu erheblichen Aktivitäten in der Impfstoffentwicklung sowie zur Suche nach Heilmitteln und Testmöglichkeiten geführt. Diese Entwicklungen sollten eigentlich den Cashflow und langfristige F&E-Investitionen unterstützen – stattdessen aber haben sie einen Bullenmarkt hervorgerufen, der diesen Sektor wegen seiner Defensivität, wider seiner eigenen Natur, nach unten gedrückt hat.

Das Blickfeld erweitern und in ESG investieren

Wir haben dieses Jahr mit der Aussage begonnen, dass eine ESG-Strategie ein lohnender Weg sein könnte, um in Europa Engagements zu gewinnen. Vor der COVID-19-Krise gab es einen wachsenden Enthusiasmus über neue EU-Gesetzgebung, Taxonomie und Berichtspläne. Obwohl sich die Aktivitäten etwas verlangsamt haben, zeigen die jüngsten Verlautbarungen von Ursula von der Leyen, dass ESG nach wie vor ein zentrales Thema ist. Wir haben gesehen, dass sich die Zuflüsse in die ESG-ETFs inmitten positiver Leistungsberichte weiter beschleunigt haben.

Ein ESG-orientiertes europäisches Aktienengagement aufzubauen, kann sich recht simpel gestalten. Eine Lösung besteht darin, in einen Ausschlussindex zu investieren, der das Risiko-Rendite-Profil des Mutterindex nachahmt (z.B. STOXX Europe 600) und gleichzeitig bestimmte Aktivitäten wie Zigarettenherstellung, Kohleverstromung und umstrittene Waffenlieferungen ausklammert.

Der STOXX Europe 600 Index bietet ein breites Spektrum an Engagements in EU- und nicht-EU-Ländern. Während Großbritannien sich angesichts der schwierigen Phase der Brexit-Verhandlungen als Markt mit hohem Risiko auszeichnet, können stark abgezinste Bewertungen dieses Risiko widerspiegeln.

Wie man diese Themen spielt:

SPDR bietet eine Reihe von ETFs an, die Anlegern den Zugang zu Engagements in Europa ermöglichen.

SPDR MSCI Europe Materials UCITS ETF

SPDR MSCI Europe Utilities UCITS ETF

SPDR MSCI Europe Health Care UCITS ETF

SPDR STOXX Europe 600 ESG-geprüfter UCITS ETF

Quelle: ETFWorld.de

 

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