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WisdomTree Europe: Stimmung und Fundamentaldaten klar voneinander trennen: Die Erholung der Eurozone, nicht der „Grexit“ ist entscheidend für die Anleihemärkte

Der spektakuläre Aufstieg der lokalen Börse in Shanghai – auch als Chinas Markt für A-Aktien bekannt – und ihre dramatischen Einbußen von 30% binnen drei Wochen hat viele Marktbeobachter dazu veranlasst, den breiten chinesischen Aktienmarkt gemeinhin als Blase zu bezeichnen.1…

 
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Viele Aktien waren ohne Frage extrem bewertet, der Andrang seitens unerfahrener Händler war groß und der Aktienkauf auf Pump nahm zu. Darüber hinaus – und von entscheidender Bedeutung – herrschte der Eindruck, dass das zugrundeliegende Wirtschaftswachstum und die Unternehmensgewinne nicht ausreichend (wenn überhaupt) stiegen, um diese Kursanstiege zu rechtfertigen.

Man sollte jedoch nicht alle chinesischen Aktien in einen Hut werfen. So bieten einige Segmente des chinesischen Aktienmarktes globalen Investoren Anlagemöglichkeiten mit beachtlichem Wertpotenzial.

A-Aktien und H-Aktien weichen voneinander ab

Bemerkenswerterweise besteht eine große Performancelücke zwischen Aktien, die sowohl in Shanghai als auch an der Börse in Hongkong (an der die meisten internationalen Anleger handeln dürfen) gehandelt werden.

Ein Teil der diesjährigen Zuflüsse in den chinesischen Markt für A-Aktien basierte auf der Vermutung, dass weitere Index-Anbieter ihre Indizes um chinesische A-Aktien ergänzen würden. Als erster großer Indexanbieter führte Vanguard, der in seinen Tracking-Strategien für Schwellenländer-Benchmarks FTSE-Indizes berücksichtigt, provisorische Indizes ein und nahm A-Aktien in seine EM-Strategien auf. Am 10. Juni 2015 teilte MSCI mit, es zöge die Aufnahme von A-Aktien in seine Aktienbarometer in Erwägung, glaube jedoch nicht, dass der Markt dazu bereits bereit sei. Die Tatsache, dass die Börse den Handel mit mehr als 1.000 Unternehmen aussetzte – im Grunde wegen ihrer Unzufriedenheit mit der Marktaktivität Anfang Juli – dürfte MSCI nicht unbedingt zur Aufnahme von A-Aktien bewegen.

WisdomTree verfügt über einen Schwellenländerindex, den WisdomTree Emerging Markets Equity Income Index (WTEMHY), der auf der Suche nach dem Marktsegment mit der günstigsten Bewertung aus einem Universum von über 1.200 dividendenzahlenden Schwellenländeraktien schöpft. Der Index teilt geeignete Aktien nach ihrer Dividendenrendite ein und fasst die obersten 30% zusammen. Dieses Auswahlverfahren misst dem Wertpotenzial mehr Bedeutung bei als eine einfache Gewichtung nach Marktkapitalisierung oder die Auswahl reiner Dividendenaktien. In den Jahren 2008 und 2009 machten chinesische Aktien nur einen sehr kleinen Anteil dieses Index aus – nicht mehr als 3% des Indexgewichts – während breit angelegte marktgewichtete Indizes Titel aus China damals mit 20% gewichteten.

Heute ist China im WTEMHY-Index mit einer Gewichtung von über 20% das am stärksten gewichtete Land. Der Grund: Zahlreiche chinesische H-Aktien, vor allem Bankentitel, zeichnen sich durch Dividendenrenditen von über 5% aus. Die gewichtete Durchschnittsrendite chinesischer Aktien in diesem Index beträgt 5.3% bei einem gewichteten KGV von im Schnitt weniger als 8x. Diese Aktien weisen keine blasenähnlichen Bewertungen auf. Sollten ihre Gewinne und Dividenden auf derzeitigen Niveaus verharren, sind sie eher verhältnismäßig günstig bewertet.

Die chinesischen Aktien im WTEMHY-Index zählen definitiv nicht zu den Aktien mit blasenähnlicher Bewertung, wie etwa Titel des lokalen technologielastigen ChiNext-Marktes mit mittleren KGV von etwa 100x und Dividendenrenditen von 0.5%.2

Interessanterweise werden dieselben dividendenstarken chinesischen Aktien, die im WTEMHY enthalten sind, auch als A-Aktien an den Festlandbörsen gehandelt. Diese Aktien – sie stellen eine Beteiligung an denselben Unternehmen dar – weisen jedoch eine Dividendenrendite von lediglich 3.7% (160 Bp weniger als die H-Aktien) und ein KGV von über 12x (rund 55% höher) auf.

Der Performanceunterschied zwischen H- und A-Aktien während des letzten Jahres ist beachtlich. A-Aktien der China Construction Bank stiegen innerhalb eines Jahres um 89%, ihre H-Aktien hingegen lediglich um 20%.3

Die gewichtete durchschnittliche Performance sämtlicher im WTEMHY-Index geführter A-Aktien lag gegenüber dem Vorjahr bei 96%, während die H-Aktien im WTEMHY lediglich 19% zulegten.

Bewertungs- und Renditeunterschiede zwischen H- und A-Aktien

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Rückblickend auf die letzten 15 Jahre lässt sich ein interessanter Vergleich zwischen dem Shanghai Composite (A shares) und dem MSCI China Index anstellen. Nach dem Börsencrash im Jahr 2008 schwächelte der Shanghai Composite und schnitt während der anschließenden 5 Jahre deutlich schlechter als der MSCI China Index (H shares) ab. Erst seit Ende Juni 2014 beginnt sich diese Lücke dank starker Renditen bei A-Aktien zu schließen. Die Kursentwicklung von A-Aktien stellte die Performance von H-Aktien unlängst zunehmend in den Schatten.

Vergleich der Indexperformance

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Da der chinesische Markt regelmäßigen Schwankungen von täglich 5% unterliegt, lässt sich dessen kurzfristige Entwicklung nur schwer vorhersagen. Eines steht jedoch fest: Nicht alle chinesischen Aktien weisen blasenähnlich hohe Bewertungen auf. Selbstverständlich sind Investitionen in diesem Bereich in Anbetracht der Marktvolatilität äußerst unsicher, aber es gibt scheinbar diversifizierte Schwellenländerstrategien mit guten Value-Titeln, die sich auf relative Bewertungen in China konzentrieren.

1 Quelle: Bloomberg, 12/06/15–08/07/15

2 Quelle: Bloomberg, 09/07/15

3 Quelle: Bloomberg, 09/07/14–09/07/15

Source: ETFWorld.de

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