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WisdomTree: Ungünstiger Einfluss der Rollrendite auf Rohstoffrenditen: So steuern Sie gegen

Teil 1: Politischer Druck…

Nick Leung, Research Analyst at WisdomTree


In diesem zweiteiligen Beitrag werfen wir einen Blick auf die beiden wichtigsten Faktoren, die sich auf Ihre Rohstoffanlagen mit optimierter Rollmethodik auswirken können: infolge politischen Drucks veränderte Marktbedingungen und die Saisonalität. Dabei stellen wir dar, wie sich durch die Beeinflussung der Rollkomponente im Zusammenspiel mit einer niedrigeren Volatilität eine optimierte Anlagestrategie realisieren lässt, mit der die einzelnen Renditekomponenten von Rohstoffanlagen gezielter und ohne Performance-Einbußen gesteuert werden können.

Politischer Druck

Für Rohstoffinvestoren besteht für das Jahr 2017 nicht zuletzt aufgrund eines möglichen US-Infrastrukturbooms und wegen der Senkung der OPEC-Fördermengen Grund zum Optimismus. Zwar steht der Rohöl-Spotpreis häufig im Zentrum der Medienaufmerksamkeit, für Anleger entscheidend ist jedoch in der Regel das Eingehen von Positionen über Futures. Daher könnte es im Hinblick auf die Wertentwicklung der Anlagen leicht zu Enttäuschungen kommen, wenn Investoren den Renditekomponenten mit Einfluss auf Rohstoff-Futures keine Aufmerksamkeit widmen.

Wie also kann eine optimierte Rohstoffstrategie Anleger bei der effektiveren Steuerung dieser Renditekomponenten unterstützen, und welche Faktoren sind für die Betrachtung von Strategien zur Kurvenoptimierung vor allem von Bedeutung?

Aufschlüsselung der Rendite

Anlagen in Rohstoff-Futures beinhalten drei Renditebestandteile: die Spotrendite, die Rollrendite und die Collateral-Rendite. In ihrer Mehrzahl konzentrieren sich Rohstoffinvestments vor allem auf die Spotrenditen, indem sie versuchen, Spotpreis-Veränderungen mittels Eingehen von Positionen in den jeweils nächstfälligen Futures-Kontrakten nachzuvollziehen. Die Rollrendite wird als weitere wichtige Komponente jedoch häufig außer Acht gelassen. Sie kann allerdings je nach Verlauf der Futures-Kurve erheblichen Einfluss auf die von den Anlegern erzielten Gesamtrenditen haben.

Das gilt auch für Rohöl. Nach der Ankündigung der Reduzierung der Liefermengen durch die OPEC im November verschob sich die WTI-Futures-Kurve sowohl in ihrer Richtung als auch in ihrem Verlauf deutlich vom Dezember auf den Februar – wie in Grafik 1 dargestellt.

Die Verschiebungen der Aufwärtskurve entsprechen dem Anstieg der Spotpreise infolge einer Reduzierung der OPEC-Fördermengen um 5 %. Die Abflachung der Kurvenform von einem deutlichen Contango im Dezember 2016 in Richtung einer moderaten mittelfristigen Backwardation im Januar 2017 signalisiert einen Ausgleich der Nachfrage- und Angebotserwartungen für das Jahr 2018. Um die Bedeutung dieser Veränderung für die Anleger nachzuvollziehen, ist ein Vergleich der jeweiligen Futures-Positionen für unterschiedliche Rohstoffstrategien sinnvoll.

Bei üblichen Anlagen mit einer Front-Month-Rollstrategie, wie dem Bloomberg Commodity Index (BCOM), wären die im jeweiligen Monat gehaltenen Kontrakte (in Grafik 1 durch die roten Punkte markiert) jeweils am vorderen Ende der Kurve positioniert, um Spotpreis-Veränderungen optimal zu replizieren. So würde der Kontrakt für Januar 2017 im Dezember 2016 gehalten und dann im folgenden Monat auf den Kontrakt für März 2017 gerollt und dort belassen.

Diese Position entspricht dem steilsten Abschnitt der Kurve. Bei im Contango befindlichen Märkten mit Futures-Kontrakten mit längerer Laufzeit und schrittweiser Verteuerung führt das periodische Rollen fälliger Kontrakte in teurere nächstfällige Kontrakte zu einer negativen Rollrendite. Da Märkte sich durchaus über längere Zeiträume entweder im Contango oder in Backwardation befinden können, besteht die Möglichkeit einer weiteren Verstärkung des Effekts der Rollrendite und damit eines erheblichen ungünstigen Einflusses auf die Gesamtrenditen.

Auf die Optimierung kommt es an

Dagegen konzentriert sich eine optimierte Rollstrategie, wie das dynamische Rollen im Falle des S&P, auf die gezielte Steuerung der Rollrendite entweder durch Positionierung im flachsten Kurvenabschnitt (bei Märkten im Contango) oder im steilsten Kurvenabschnitt (bei Märkten in Backwardation). Daraus ergäbe sich eine viel längere Haltedauer des Kontrakts (wie in Grafik 1 durch die grünen Punkte markiert), wie beispielsweise des 2018er November-Kontrakts. Die Tatsache, dass periodenübergreifend kein Wechsel des Kontrakts erfolgt, deutet darauf hin, dass durch eine Veränderung der Positionierung je nach Erfordernissen hinsichtlich Liquidität oder Handelskosten keine nennenswerten Vorteile zu erzielen sind. Durch eine Positionierung am längeren Ende der Kurve verringert sich die inhärente Sensitivität der Anlage gegenüber Spotpreis-Schwankungen, was zu einer Dämpfung der Volatilität führt.

Was bedeutet dies für die Anleger?

Wachsender politischer Druck durch die OPEC und eine auf Wachstum orientierte US-Regierung bieten das Potenzial für eine Ankurbelung der Rohstoffpreise mit entsprechenden Verschiebungen der Futures-Kurven. Dennoch ist nach wie vor offen, ob die Wirtschaftsagenda von Präsident Trump ihren Versprechen gerecht wird oder ob es bei den jetzigen OPEC-Förderverträgen bleibt. Bei Veränderungen in diesen Bereichen besteht im Laufe des Jahres 2017 durchaus die Möglichkeit einer größeren Schwankungsbreite der Rohstoffpreise. Vor diesem Hintergrund bietet die durch optimierte Rohstoffstrategien ermöglichte Kombination einer geringeren Volatilität mit einem effektiveren Rollmanagement zwei entscheidende Vorteile, von denen Investoren bei sich im weiteren Jahresverlauf verändernden Marktbedingungen profitieren können.

 

Source: ETFWorld.de

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